Pflegereform 2026/2027: Was der Gesetzentwurf für die häusliche Pflege bedeutet
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Es gibt kein Medikament, das gleichzeitig Stürze verhindert, den Blutdruck senkt, den Blutzucker verbessert, gegen Depression wirkt, den Schlaf vertieft, die Verdauung anregt und das Gedächtnis schützt. Bewegung tut das. Und sie ist das Erste, was im Alter wegfällt: erst der Sportverein, dann der Garten, dann der Weg zum Bäcker, dann der Weg zur Küche.
Der Verlust ist schleichend und tückisch. Wer eine Woche liegt, verliert spürbar Muskelkraft. Wer drei Wochen nach einem Krankenhausaufenthalt nicht aufsteht, kommt oft nicht mehr auf die Beine. Umgekehrt gilt: Auch mit 85, mit Rollator, mit Pflegegrad 4 lässt sich Kraft aufbauen. Der Körper reagiert bis ins hohe Alter auf Training.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Bewegung im Alter sinnvoll ist, was zu Hause sicher geht, und zeigt einen Tages- und Wochenplan, der sich an den realen Alltag eines pflegebedürftigen Menschen anpasst.
Es geht nicht um Fitness, sondern um vier Fähigkeiten, die den Alltag tragen:
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auch für alte Menschen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche plus zweimal Kraft- und Gleichgewichtstraining. Das klingt viel, ist aber auf einen Tag verteilt nur gut 20 Minuten, und jede Minute zählt: Treppe statt Aufzug, stehen statt sitzen, gehen statt gefahren werden.

Für Kraft
Für Gleichgewicht
Für Beweglichkeit
Für Ausdauer
Auch im Rollstuhl oder Sessel ist Training möglich und wichtig: Arme heben, Knie heben, Füße kreisen, Oberkörper drehen, mit einer Wasserflasche Bizeps beugen, mit einem Handtuch zwischen den Händen ziehen, mit einem weichen Ball drücken. Zehn Minuten morgens und nachmittags halten Kreislauf, Verdauung und Stimmung in Gang.
Bei Bettlägerigkeit heißt Bewegung: Gelenke durchbewegen, damit sie nicht versteifen, Füße kreisen gegen Thrombose, Arme heben, tief atmen, Hände drücken, wenn möglich an die Bettkante setzen. Was genau, legt die Physiotherapie fest; die Betreuungskraft wiederholt es täglich. Mehr dazu im Ratgeber zur Pflege bei Bettlägerigkeit.
Der beste Plan ist der, der nicht wie Sport aussieht. Beispiel für einen Menschen mit Pflegegrad 3, Rollator, geistig weitgehend klar:
| Zeit | Aktivität | Dauer |
|---|---|---|
| nach dem Aufwachen | Füße kreisen, Hände öffnen und schließen, Arme strecken, noch im Bett | 5 Min. |
| nach dem Frühstück | Aufstehen und Hinsetzen 5 Mal, Fersen heben am Tisch | 5 Min. |
| Vormittag | Spaziergang um den Block, Briefkasten, Bäcker | 15 bis 20 Min. |
| vor dem Mittagessen | Tisch mit decken, Geschirr tragen, in der Küche stehen | 10 Min. |
| nach dem Mittagsschlaf | Gleichgewicht: Tandemstand, Gewicht verlagern am Stuhl | 5 Min. |
| Nachmittag | Garten, Balkon, Blumen gießen, Wäsche zusammenlegen im Stehen | 15 Min. |
| vor dem Abendessen | Marschieren im Sitzen zur Musik, Schulterkreisen | 5 Min. |
| Abend | Zähneputzen im Stehen, Weg ins Bad ohne Rollator, wenn sicher |
Zusammen sind das rund 60 Minuten Bewegung, ohne dass einmal das Wort Training gefallen ist.
| Tag | Schwerpunkt | Konkret |
|---|---|---|
| Montag | Kraft | Aufstehprogramm, Fersen heben, Wandliegestütz, Spaziergang |
| Dienstag | Gleichgewicht | Tandemstand, Linie gehen, Gewicht verlagern, Spaziergang |
| Mittwoch | Alltag | Einkauf mit Rollator, Kochen im Stehen, Wäsche |
| Donnerstag | Kraft | wie Montag, eine Wiederholung mehr |
| Freitag | Gleichgewicht und Gedächtnis | Ballwerfen und fangen im Sitzen, Gehen mit Zählen, Spaziergang |
| Samstag | Ausflug | Markt, Café, Kirche, Besuch, längerer Weg mit Pausen |
| Sonntag | Ruhe und Beweglichkeit | nur Morgenprogramm im Bett, Spaziergang nach Lust |
Jeden Tag gleich bleibt: das Morgenprogramm im Bett, der Spaziergang, Aufstehen und Hinsetzen. Das sind die Anker. Der Rest ist Abwechslung, damit es nicht langweilig wird.
Der Plan ist das Leichte. Das Schwere ist, dass er umgesetzt wird, jeden Tag, auch wenn keine Lust ist. Was hilft:
Menschen mit Demenz profitieren besonders, weil Bewegung Unruhe abbaut und den Schlaf verbessert. Sie brauchen aber Vormachen statt Erklären, einfache wiederkehrende Abläufe und Bewegung, die Sinn ergibt: Wäsche aufhängen, Blätter zusammenkehren, Tisch abwischen, im Garten gehen. Übungen nach Anweisung überfordern, Alltagsbewegung mit Zweck funktioniert.
Bewegung im Alter scheitert fast nie am Wissen, sondern daran, dass niemand da ist, der täglich einlädt, begleitet und mitmacht. Eine Betreuungskraft in häuslicher Gemeinschaft ist genau dafür da: Sie geht mit spazieren, hält beim Aufstehen die Hand, macht die Übungen aus der Physiotherapie mit, holt zum Tischdecken in die Küche und merkt, wenn das Gehen unsicherer wird. Unsere Betreuungskräfte lernen in der Jaso-Akademie in unserer eigenen Seniorenresidenz Sturzprophylaxe, Mobilisation und sichere Transfers in der Praxis. Aktivierende Betreuung, also Fähigkeiten erhalten statt alles abnehmen, ist Teil ihres Auftrags.

Wie lange dauert es, bis Bewegung wirkt?<br>Kraftzuwachs ist nach vier bis sechs Wochen messbar, besserer Schlaf und Stimmung oft nach wenigen Tagen. Der wichtigste Effekt, weniger Stürze, zeigt sich nach etwa drei Monaten regelmäßigen Trainings.
Mein Vater hat Angst vor dem Fallen und will deshalb nicht laufen.<br>Sturzangst ist einer der stärksten Gründe für Bewegungsmangel und erhöht selbst das Sturzrisiko. Beginnen Sie mit Übungen im Sitzen und mit Festhalten, in Begleitung, in der Wohnung. Jede sichere Erfahrung baut Angst ab.
Gibt es Kurse, die die Kasse zahlt?<br>Ja. Viele Krankenkassen bezuschussen Präventionskurse wie Sturzprophylaxe oder Seniorengymnastik. Bei Pflegegrad kann die Physiotherapie als Hausbesuch verordnet werden, die Übungen daraus wiederholt die Betreuungskraft täglich.
Alle Preise und Beispielrechnungen für jeden Pflegegrad finden Sie auf unserer Seite 24-Stunden-Pflege Kosten. Wie die Betreuung zu Hause abläuft und warum sie legal ist, lesen Sie unter 24-Stunden-Pflege zu Hause und 24-Stunden-Pflege legal.
Wenn Ihr Angehöriger sich kaum noch bewegt, weil niemand da ist, der ihn begleitet, sprechen Sie mit uns: 0800 700 88 20, kostenfrei. Karina Krupa und Liane Vogel beraten Sie, ob eine Betreuungskraft im Haus Bewegung und Sicherheit zurückbringen kann. Oder nutzen Sie das Kontaktformular.
Dieser Text ersetzt keine ärztliche oder physiotherapeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen besprechen Sie Bewegungsumfang und Übungen mit Ihrem Arzt.