Plötzlich Pflegefall: Checkliste für die ersten 7 Tage

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Liane Vogel

Liane Vogel

Kundenberaterin für Seniorenbetreuung

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    Angehörige organisiert am Küchentisch die Versorgung nach einem plötzlichen Pflegefall – Checkliste
    Hinzugefügt am: 06.09.2026 um 05:56 Uhr

    Plötzlich Pflegefall: Checkliste für die ersten 7 Tage

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    Der Anruf kommt um halb sieben morgens. Die Mutter ist gestürzt, Oberschenkelhalsbruch, sie wird gerade operiert. Oder: Der Vater hatte einen Schlaganfall. Oder der Arzt sagt nach der Untersuchung, allein zu Hause gehe das nicht mehr.

    In diesem Moment beginnt für die Familie eine Woche, in der mehr Entscheidungen fallen als in den zehn Jahren davor. Und niemand hat Sie darauf vorbereitet. Diese Checkliste ersetzt die Vorbereitung nicht, aber sie gibt Ihnen eine Reihenfolge. Drucken Sie sie aus, haken Sie ab, und lassen Sie sich nicht von der Menge erschrecken. Nicht alles muss am ersten Tag passieren.

    Vorab: Drei Dinge, die Sie wissen sollten

    1. Leistungen der Pflegekasse gibt es ab dem Tag des Antrags, nicht ab dem Tag des Bescheids. Jeder Tag ohne Antrag ist verlorenes Geld. Ein Anruf genügt.
    2. Das Krankenhaus darf niemanden ins Nichts entlassen. Es ist zum Entlassmanagement verpflichtet. Nutzen Sie den Sozialdienst, er ist für Sie da.
    3. Sie müssen nicht alles selbst machen. Pflegeberatung ist kostenlos und unabhängig. Zu Hause pflegen heißt nicht, allein zu pflegen.
    Familienrat: Geschwister besprechen die Pflege der Eltern mit Unterlagen am Tisch

    Tag 1: Ruhe bewahren und zwei Anrufe machen

    Anruf 1: Pflegekasse. Die Pflegekasse ist bei der Krankenkasse Ihres Angehörigen angesiedelt. Sagen Sie: „Ich möchte einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen.“ Sie brauchen dafür keine Vollmacht, wenn Ihr Angehöriger zustimmt. Notieren Sie Datum und Namen des Gesprächspartners. Das Antragsformular kommt per Post, der Anspruch beginnt heute.

    Anruf 2: Sozialdienst des Krankenhauses. Fragen Sie nach einem Termin in den nächsten zwei Tagen. Fragen Sie außerdem, wann die Entlassung voraussichtlich ist und ob eine Reha oder Anschlussheilbehandlung geplant ist.

    Sammeln Sie Unterlagen. Versichertenkarte, Personalausweis, Medikamentenliste, Vorsorgevollmacht falls vorhanden, Kontakt des Hausarztes.

    Tag 2: Klären, wer entscheidet

    Vollmacht. Kann Ihr Angehöriger selbst entscheiden? Wenn ja, lassen Sie ihn eine Vorsorgevollmacht unterschreiben, solange das möglich ist, mindestens für Gesundheit und Behördenangelegenheiten. Vorlagen gibt es beim Bundesjustizministerium kostenlos. Ohne Vollmacht kann es sein, dass ein Gericht einen Betreuer bestellt, auch wenn Sie da sind.

    Familienrunde. Wer übernimmt was? Wer hat Zeit, wer hat Geld, wer wohnt nah? Klären Sie das jetzt, in einem Gespräch, nicht in fünfzig Nachrichten. Streit in der Familie kostet in dieser Phase mehr Kraft als die Pflege selbst.

    Arbeitgeber informieren. Sie haben Anspruch auf bis zu zehn Arbeitstage kurzzeitige Arbeitsverhinderung, um die Pflege zu organisieren, mit Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz. Melden Sie das heute an, formlos, per Mail reicht.

    Tag 3: Beratung holen

    Pflegeberatung. Sie haben gesetzlichen Anspruch auf kostenlose Pflegeberatung. Anlaufstellen: der Pflegestützpunkt Ihrer Stadt, die Pflegeberatung der Pflegekasse (auch als Hausbesuch), das Sozialamt oder der Sozialdienst der Klinik. Fragen Sie konkret: Welche Leistungen stehen uns zu? Welche Hilfsmittel? Welche Versorgungsformen gibt es hier vor Ort?

    Gespräch mit dem Sozialdienst. Themen: voraussichtlicher Pflegebedarf nach Entlassung, Reha ja oder nein, Hilfsmittel, Pflegedienst, Kurzzeitpflege als Übergang. Lassen Sie sich nichts aufdrängen. Ein Kurzzeitpflegeplatz im Heim ist eine Option, keine Pflicht.

    Erste Orientierung zur Versorgungsform. Vier Grundmodelle gibt es:

    ModellFür wenKosten grob
    Angehörige pflegen selbst, Pflegedienst kommt punktuellgeringer Hilfebedarf, Familie vor OrtPflegegeld deckt viel ab
    Stundenweise Betreuung plus Pflegedienstmittlerer Bedarf, Person kann stundenweise allein bleibenab ca. 25 €/Std. zusätzlich
    Betreuungskraft in häuslicher Gemeinschaft (24-Stunden-Betreuung)hoher Bedarf, Person kann nicht allein bleiben, Familie will Zuhause erhaltenab 2.595 €/Monat, abzüglich Pflegegeld
    Pflegeheimsehr hoher medizinischer Bedarf, Zuhause nicht anpassbarEigenanteil im ersten Jahr bundesweit rund 3.364 €/Monat

    Tag 4: Das Zuhause vorbereiten

    Gehen Sie mit dem Blick eines Pflegenden durch die Wohnung:

    • Kommt ein Rollator oder Rollstuhl durch die Türen?
    • Wo steht das Pflegebett? Es braucht Platz auf drei Seiten.
    • Ist das Bad erreichbar, gibt es Haltegriffe, eine Duschmöglichkeit ohne Wanne?
    • Stolperfallen: Teppiche, Kabel, Schwellen.
    • Licht: nachts Bewegungsmelder auf dem Weg zur Toilette.
    • Wenn eine Betreuungskraft einziehen soll: Gibt es ein eigenes Zimmer für sie? Das ist Voraussetzung.

    Hilfsmittel wie Pflegebett, Rollator, Toilettensitzerhöhung verordnet der Klinikarzt oder Hausarzt, die Krankenkasse zahlt. Für Umbauten zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro Zuschuss je Maßnahme, wenn ein Pflegegrad vorliegt.

    Tag 5: Die Versorgung festlegen

    Jetzt haben Sie genug Informationen, um zu entscheiden. Fragen, die Sie ehrlich beantworten sollten:

    • Kann mein Angehöriger nachts allein bleiben? Wenn nein, brauchen Sie jemanden, der nachts da ist. Das ist der häufigste Grund, warum Familien sich für eine Betreuungskraft in häuslicher Gemeinschaft entscheiden.
    • Wer versorgt ihn morgens, mittags, abends, am Wochenende? Wenn die Antwort dreimal „ich“ lautet, ist das kein Plan, sondern ein Zusammenbruch mit Ansage.
    • Was wünscht sich mein Angehöriger? Fragen Sie ihn. Die meisten Menschen wollen zu Hause bleiben. Das ist möglich, auch bei hohem Pflegebedarf.

    Wenn Sie sich für eine Betreuungskraft entscheiden, rufen Sie spätestens heute an. Bei Jaso24 organisieren wir die Betreuung in der Regel innerhalb von 4 bis 6 Tagen. Wenn Sie an Tag 5 anrufen, ist die Betreuungskraft zur Entlassung da. Im Erstgespräch klären wir Bedarf, Zimmer, Besonderheiten und Wünsche, auf Deutsch, mit Karina Krupa oder Liane Vogel. Wenn Sie wünschen, holen wir über einen medizinischen Fragebogen Informationen vom behandelnden Arzt ein.

    Wenn Sie sich für einen Pflegedienst entscheiden, vereinbaren Sie das Erstgespräch und klären Sie Zeiten und Leistungen schriftlich.

    Tag 6: Begutachtung vorbereiten

    Der Medizinische Dienst meldet sich für die Begutachtung, in dringenden Fällen schon in der Klinik, sonst innerhalb weniger Wochen zu Hause. Bereiten Sie vor:

    • Pflegetagebuch ab heute: Wann brauchte Ihr Angehöriger welche Hilfe, wie lange? Auch nachts. Auch das Erinnern, Anleiten, Beaufsichtigen zählt.
    • Arztberichte, Entlassbrief, Medikamentenplan.
    • Seien Sie dabei. Antworten Sie ehrlich. Viele Betroffene stellen sich beim Gutachter besser dar, als es ihnen geht, aus Stolz. Ergänzen Sie, was fehlt.

    Welche Pflegegrade es gibt und was sie bedeuten, lesen Sie auf unserer Seite Pflegegrade.

    Tag 7: Netz knüpfen und an sich denken

    Hausarzt informieren und einen Termin für den Hausbesuch nach der Entlassung vereinbaren.

    Apotheke vor Ort um Lieferservice bitten.

    Nachbarn einweihen. Ein Schlüssel beim Nachbarn, eine Telefonnummer am Kühlschrank.

    Entlastung für sich selbst. Sie werden in den kommenden Wochen mehr tragen als je zuvor. Notieren Sie sich jetzt: den Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich, den gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von 3.539 Euro, die Möglichkeit von Pflegezeit und Familienpflegezeit beim Arbeitgeber, Pflegekurse für Angehörige, die die Pflegekasse bezahlt. Sie brauchen das nicht heute. Sie brauchen es in drei Monaten, und dann sollten Sie wissen, dass es existiert.

    Die häufigsten Fehler in der ersten Woche

    1. Antrag auf Pflegegrad aufschieben, „bis wir wissen, wie es weitergeht“. Es kostet Geld, das nie zurückkommt.
    2. Kurzzeitpflegeplatz akzeptieren, weil nichts anderes organisiert ist, obwohl mit vier Tagen Vorlauf eine Betreuung zu Hause möglich gewesen wäre.
    3. Alles selbst machen wollen. Der Zusammenbruch kommt nach sechs bis zwölf Wochen, verlässlich.
    4. Familiengespräch vermeiden. Wer nicht früh klärt, wer was übernimmt, streitet später darüber, wer was nicht getan hat.
    5. Versprechen abgeben, die man nicht halten kann. „Du kommst nie ins Heim“ ist ein schöner Satz und eine schwere Last. Sagen Sie lieber: „Wir tun alles, damit du zu Hause bleiben kannst.“
    Angehörige organisiert am Küchentisch die Versorgung nach einem plötzlichen Pflegefall – Checkliste

    Alle Preise und Beispielrechnungen für jeden Pflegegrad finden Sie auf unserer Seite 24-Stunden-Pflege Kosten. Wie die Betreuung zu Hause abläuft und warum sie legal ist, lesen Sie unter 24-Stunden-Pflege zu Hause und 24-Stunden-Pflege legal.

    Nächster Schritt

    Wenn Sie gerade mitten in dieser Woche stecken: Rufen Sie an, auch wenn Sie noch nicht wissen, was Sie brauchen. 0800 700 88 20, kostenfrei. Liane Vogel hat viele Jahre im Sozialdienst eines Krankenhauses gearbeitet und kennt genau diese Situation aus der anderen Perspektive. Sie und Karina Krupa sagen Ihnen ehrlich, ob eine Betreuung zu Hause in Ihrem Fall sinnvoll ist, und wenn nicht, wer Ihnen stattdessen helfen kann. Oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular.

    Leistungsbeträge der Pflegeversicherung Stand 2026. Diese Checkliste ersetzt keine individuelle Pflege- oder Rechtsberatung.